3 Gründe, warum Soft Skills die Kompetenzen der Zukunft sind

3 Gründe, warum Soft Skills die Kompetenzen der Zukunft sind

Soft Skills galten lange als weniger wertvoll als Hard Skills. Das liegt vermutlich daran, dass sich Hard Skills schon immer leichter beziffern und messen ließen als Soft Skills. Bereits in der Schule werden Hard Skills wie Lesen, Schreiben und Rechnen systematisch geprüft und benotet. Teamfähigkeit, Empathie und Resilienz dagegen? Eher nicht.

Vermutlich ist das auch der Grund, warum viele von uns als Erwachsene zögern, allzu viele Soft Skills in den Lebenslauf zu schreiben. Schließlich lassen sich Hard Skills gegenüber Arbeitgebern viel leichter belegen, nämlich mit Abschlüssen, Diplomen, Zertifikaten oder Berufserfahrung. Doch wie beweist man einem potenziellen Arbeitgeber, dass man ein empathischer Mensch ist, der hervorragend im Team arbeitet?

Weil Hard Skills gemeinhin als wertvoller gelten als Soft Skills, sprechen sich einige Fachleute für andere Begriffe aus, damit Soft Skills die Bedeutung bekommen, die ihnen zusteht. Ihrer Ansicht nach suggerieren die Bezeichnungen „hard“ und „soft“ eine Rangordnung: „hard“ steht für das Wünschenswertere, „soft“ für das Entbehrliche. Als Alternativen zu „Soft Skills“ wurden etwa „essenzielle Kompetenzen“, „komplexe Kompetenzen“, „menschliche Fähigkeiten“ und weitere vorgeschlagen.

In diesem Beitrag vertreten wir die These, dass künstliche Intelligenz und der allgemeine Trend zu mehr Technologie und Automatisierung am Arbeitsplatz im vergangenen Jahrzehnt Soft Skills und entsprechende Kompetenzprofile ins Zentrum der Arbeitswelt von morgen gerückt haben. Im Folgenden nennen wir drei Gründe für diese Einschätzung. Wo immer möglich, verweisen wir auf Studien oder Berichte, die unsere Argumentation stützen.

1. Soft Skills halten Mitarbeitende relevant

‍Die Arbeitswelt der Zukunft ist im Fluss. Da Technologie unsere Arbeitsweise rasant verändert, können Hard Skills sehr schnell veralten. Fachleuten zufolge sichern sich Organisationen ihren Erfolg, indem sie Menschen mit ausgeprägten Soft Skills einstellen.

„Unserer Ansicht nach macht man eine Organisation am besten datenorientierter und digitaler, indem man gezielt in diejenigen investiert, die von vornherein besonders anpassungsfähig, neugierig und flexibel sind. Da niemand weiß, welche Hard Skills künftig entscheidend sein werden, ist es am klügsten, auf die Menschen zu setzen, die sie am ehesten entwickeln werden“, schrieben Becky Frankiewicz und Tomas Chamorro-Premuzic in der Harvard Business Review.

Globale Konzerne wie Google und Amazon gehören zu den Unternehmen, die das erkannt haben. Seit Jahren betonen sie, dass Soft Skills wie Lernfähigkeit und Problemlösungskompetenz der Schlüssel zu einer erfolgreichen Karriere bei ihnen sind.

Personalverantwortliche sehen das genauso. Da die Automatisierung den Arbeitsmarkt verändert, sind sich 92 % der Talent-Professionals und Hiring Manager einig, dass Bewerberinnen und Bewerber mit starken Soft Skills immer wichtiger werden, so der LinkedIn 2019 Global Talent Trends Report. Mehr noch: 89 Prozent gaben an, dass Fehlbesetzungen in der Regel auf schwache Soft Skills zurückgehen.‍

92 % der Recruiting-Fachleute und Hiring Manager sind sich einig: Bewerberinnen und Bewerber mit ausgeprägten Soft Skills gewinnen zunehmend an Bedeutung

2. Automatisierung kann Soft Skills nicht ersetzen

‍Fortschritte in künstlicher Intelligenz, Robotik und maschinellem Lernen ermöglichen es zwar, immer mehr menschliche Tätigkeiten zu automatisieren. Doch Maschinen fehlen nach wie vor emotionale und soziale Kompetenzen sowie höhere kognitive Fähigkeiten wie Problemlösung, kritisches Denken (einschließlich Brainstorming), Kreativität, systematische Entscheidungsfindung und vieles mehr.

Deshalb bleiben Menschen mit Fähigkeiten, die Technologie nicht ersetzen kann, auf dem Arbeitsmarkt gefragt, auch wenn Maschinen und KI den Menschen in etlichen Jobs ersetzen.
Laut David Deming von der Harvard University zeichnet sich dieser Trend schon seit Längerem ab. 

„Zwischen 1980 und 2012 stieg der Anteil der Jobs mit viel sozialer Interaktion an allen Erwerbstätigen in den USA um fast 12 Prozentpunkte. Mathematiklastige, aber weniger soziale Jobs, darunter viele MINT-Berufe, gingen im selben Zeitraum um 3,3 Prozentpunkte zurück“, schreibt Deming in seinem Aufsatz The Growing Importance Of Social Skills In The Labor Market.
Laut Demings Forschung wurden soziale Kompetenzen „in den 2000er-Jahren auf dem Arbeitsmarkt deutlich stärker honoriert als Mitte der 1980er- und in den 1990er-Jahren“.
Laut einem Bericht von McKinsey sind Soft Skills auf dem heutigen Arbeitsmarkt immer stärker gefragt, und die Nachfrage wird bis 2030 weiter wachsen.

„Die Nachfrage nach höheren kognitiven Fähigkeiten wie Kreativität, kritischem Denken, Entscheidungsfindung und komplexer Informationsverarbeitung wird bis 2030 ausgehend von einem bereits beachtlichen Niveau in den Vereinigten Staaten um 19 Prozent und in Europa um 14 Prozent wachsen“, heißt es in dem Bericht. Er prognostiziert, dass die Nachfrage nach sozialen und emotionalen Kompetenzen zwischen 2016 und 2030 in den Vereinigten Staaten um 26 % und in Europa um 22 % steigen wird. Im selben Zeitraum soll die Nachfrage nach einfachen Fähigkeiten in Dateneingabe und Datenverarbeitung in den Vereinigten Staaten um 19 % und in Europa um 23 % sinken.‍

Die Nachfrage nach höheren kognitiven Fähigkeiten wie Kreativität, kritischem Denken, Entscheidungsfindung und komplexer Informationsverarbeitung wird bis 2030 wachsen

3. Ohne Soft Skills sind Hard Skills unvollständig

‍Eine Beobachtung aus unserer langjährigen Arbeit als Berater für digitale Transformation: Menschen können alle Hard Skills mitbringen, die für die Umsetzung von Projekten nötig sind. Fehlt ihnen aber die Fähigkeit zu verstehen, was Kunden oder Stakeholder von diesen Projekten erwarten, oder die Fähigkeit, mit ihren Teammitgliedern zu kommunizieren und sie zur Umsetzung zu motivieren (wofür es jeweils Soft Skills braucht), dann wird alles, was sie für die Stakeholder entwickeln oder bauen, deren Bedürfnisse nicht erfüllen und scheitern.

Softwareentwicklerinnen und -entwickler müssen also nicht nur programmieren können. Sie brauchen auch Geschäftssinn, um zu verstehen, was Kunden (oft mit unterschiedlichem geografischem und kulturellem Hintergrund) erreichen wollen, damit sie etwas bauen können, das ihnen wirklich nützt. Ebenso müssen Vertriebs- und Marketingverantwortliche nicht nur verkaufen können, sondern brauchen gute zwischenmenschliche und kommunikative Fähigkeiten, um eine echte Verbindung zu potenziellen Kunden aufzubauen. Und Abschlüsse oder Zertifikate allein machen noch keine erfolgreiche Führungskraft. Erfolgreich führt, wer seine Teammitglieder einzubinden und zu motivieren weiß.


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‍ALLES ÜBER SOFT SKILLS

Anpassungsfähigkeit: Die Fähigkeit, bei Ungewissheit die eigenen Reaktionen rasch anzupassen und dabei aufzublühen.

Geschäftssinn: Verstehen, wie Unternehmen funktionieren, und dieses Wissen nutzen, um gute Ergebnisse für das eigene Unternehmen zu erzielen.

Kreativität: Die Fähigkeit, originelle Ideen zu entwickeln und in Geschäftschancen zu verwandeln … und innovative Lösungen für Probleme zu finden.

Kommunikation: Die Fähigkeit, Stakeholder zu erreichen und die eigene Botschaft oder Geschichte zu vermitteln.

Zusammenarbeit: Die Fähigkeit, gemeinsam mit anderen auf ein gemeinsames Ziel hinzuarbeiten.

Emotionale Intelligenz: Die Fähigkeit, die eigenen Emotionen zu erkennen und zu steuern, ebenso wie die Emotionen anderer.

Empathie: Die Fähigkeit, sich in die Lage eines anderen Menschen zu versetzen und aus dessen Perspektive zu verstehen oder nachzuempfinden, was er erlebt.

Führung: Die Fähigkeit, mit Teams zusammenzuarbeiten und sie so anzuleiten, dass sie im Sinne der Unternehmensziele das bestmögliche Ergebnis erreichen.

Überzeugungskraft: Die Fähigkeit, das Gegenüber dazu zu bewegen, seine Haltung oder sein Verhalten gegenüber einer Idee zu ändern.

Resilienz: Die Fähigkeit, sich zu erholen und gestärkt hervorzugehen, wenn man mit Herausforderungen wie Veränderungen am Arbeitsplatz oder Stress konfrontiert ist.

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