Fallstudie
Kompetenztransparenz auf nationaler Ebene: Erkenntnisse aus dem Projekt PASGA
Wie für fast 55.000 Beschäftigte des öffentlichen Dienstes eine landesweite Kompetenzmatrix samt Workforce-Intelligence-Rahmenwerk entwickelt und eingeführt wurde
- Standort
- Nigeria
- Branche
- Öffentlicher Sektor und Infrastruktur
- Erfasste Kompetenzen
- 5,1 Millionen
- Jahr
- 2025

“Wir streben keine Perfektion an. Wir suchen nach Mustern, nach Entscheidungsgrundlagen. Auch wenn die Daten nicht perfekt sind, sehen wir, wo wir stark sind, wo wir weniger stark sind und wo das Kompetenzniveau sofortiges Handeln erfordert. Genau das sind die interessanten Daten.”
Herausforderung
Der nigerianische Federal Civil Service brauchte für fast 55.000 Beschäftigte in 46 Ministerien und über mehrere Besoldungsgruppen hinweg eine strukturierte Kompetenzbasis. Zeit dafür: drei Monate. Die Personaldaten waren zersplittert, die digitale Infrastruktur begrenzt, und eine Kompetenzerfassung hatte es bis dahin in keiner Größenordnung gegeben.
Problem
Die meisten großen Organisationen können eine grundlegende Frage nicht beantworten: Haben wir die Kompetenzen, um unsere Strategie umzusetzen? Nicht weil es an Ehrgeiz fehlt, sondern weil die Daten nie in nutzbarer Form vorlagen.
Lösung
MuchSkills baute ein eigenes Assessment-Portal auf, dazu eine gemeinsame Kompetenztaxonomie für alle 46 Ministerien und eine maßgeschneiderte Analyseumgebung für Vergleiche über die gesamte Regierung hinweg. Fast 55.000 Staatsbedienstete lieferten mehr als 5,1 Millionen Kompetenzdatenpunkte. Damit hatte der Federal Civil Service Nigerias erstmals eine einheitliche, vergleichbare Kompetenzbasis, auf deren Grundlage er handeln konnte.
Die meisten großen Organisationen können eine einfache Frage des Vorstands nicht beantworten: Haben wir die Kompetenzen, die wir zur Umsetzung unserer Strategie brauchen? Nicht, weil die Frage unvernünftig wäre, sondern weil es die nötigen Daten nie in brauchbarer Form gab. Kompetenzen stecken in Lebensläufen, in den Köpfen von Führungskräften und in HR-Systemen, die nie dafür gebaut wurden, Kompetenzen in großem Maßstab sichtbar zu machen. Und wenn Organisationen doch einmal eine Kompetenzerfassung im großen Stil wagen, kommen meist Daten heraus, denen niemand traut: zu zersplittert für Vergleiche, zu langsam erhoben, zu wackelig als Entscheidungsgrundlage. Mit dem Projekt PASGA sollte sich zeigen, ob dieses Ergebnis unvermeidlich ist oder eine Frage der richtigen Gestaltung.
Ende 2025 startete die nigerianische Bundesregierung PASGA, kurz für Personnel Audit and Skills Gap Analysis (Personalprüfung und Analyse der Kompetenzlücken). Das Programm gehört zu den ehrgeizigsten Reformen des öffentlichen Dienstes in der jüngeren Geschichte Nigerias. Koordiniert wurde es vom Office of the Head of the Civil Service of the Federation (OHCSF), vor Ort umgesetzt von der Managementberatung Phillips Consulting Limited (pcl) mit Sitz in Lagos. Intern hieß das Programm Project Phoenix. Das Ziel: eine vergleichbare, strukturierte Kompetenzbasis für fast 55.000 Beschäftigte im öffentlichen Dienst, verteilt auf 46 Ministerien, mehrere Besoldungsgruppen, Abteilungen und Laufbahnen. MuchSkills, eine KI-gestützte Plattform für Skills Intelligence, lieferte die Technologie, mit der eine Kompetenzbewertung in dieser Größenordnung überhaupt erst machbar wurde. Das war weder ein Pilotprojekt noch eine Trockenübung, sondern ein befristetes, operatives Programm unter realen Bedingungen.
Innerhalb von drei Monaten hatten fast 55.000 Beschäftigte ihre Kompetenzdaten in die MuchSkills-Plattform eingetragen: mehr als 5,1 Millionen Kompetenzdatenpunkte, über 4.800 Zertifizierungen und über 19.000 Entwicklungsziele. Im Schnitt erfasste jede teilnehmende Person mehr als 70 Kompetenzen. Damit hatte der Federal Civil Service Nigerias erstmals eine einheitliche, vergleichbare Kompetenzbasis. Mit ihr lassen sich Fähigkeiten ministeriumsübergreifend analysieren, Lücken erkennen und Personalentscheidungen auf nationaler Ebene faktenbasiert treffen.
5.1M
erfasste Kompetenzdatenpunkte
Dieser Beitrag zeigt, was nötig war, um diese Transparenz zu konzipieren und umzusetzen: welche Entscheidungen fielen, welche Kompromisse dazugehörten und welche Lehren sich daraus für große oder stark regulierte Organisationen ziehen lassen, die nicht länger von vermuteten Fähigkeiten ausgehen, sondern auf belastbare Erkenntnisse setzen wollen.
Projekt PASGA auf einen Blick
- Landesweite Initiative für mehr Kompetenztransparenz im nigerianischen Federal Civil Service umgesetzt
- Fast 55.000 Staatsbedienstete in 46 Ministerien einbezogen, über alle Besoldungsgruppen, Abteilungen und Laufbahnen hinweg
- In knappen drei Monaten abgeschlossen, unter den realen Bedingungen des öffentlichen Sektors
- Strukturierte Kompetenzmatrix aufgebaut: mehr als 5,1 Millionen Kompetenzdatenpunkte, über 4.800 Zertifizierungen und über 19.000 Entwicklungsziele
- Vergleichbare, ministeriumsübergreifende Workforce Intelligence auf nationaler Ebene geschaffen
- Ein wiederholbares Umsetzungsmodell für komplexe, stark regulierte Organisationen unter Beweis gestellt
Die Herausforderung: Kompetenztransparenz auf nationaler Ebene
Den meisten Organisationen fehlt echte Kompetenztransparenz. Sie leiten Fähigkeiten aus Rollen, Titeln, Lebensläufen und verstreuten Unterlagen ab, statt einen klaren, strukturierten Überblick über die Kompetenzen zu haben, die in der Belegschaft tatsächlich vorhanden sind. Genau diese Lücke ist der Hauptgrund, warum MuchSkills gegründet wurde.
Das Projekt PASGA hob diese Herausforderung auf eine völlig neue Ebene.
Der Federal Civil Service Nigerias gehört zu den größten öffentlichen Verwaltungen der Welt. Seine 46 Ministerien haben jeweils eigene Mandate, interne Strukturen und Kompetenzanforderungen, von Verwaltungs- und Grundsatzaufgaben bis hin zu technischen, ingenieurwissenschaftlichen und operativen Funktionen. Die Beschäftigten verteilen sich auf ein breites Spektrum an Besoldungsstufen, von Einstiegspositionen bis zur obersten Führungsebene. Durch Versetzungen, Umsetzungen und Abordnungen wechseln Bedienstete zwischen Ministerien, und diese Wechsel werden nicht immer zeitgleich in den zentralen Systemen nachvollzogen.
Hinter dem Projekt PASGA standen zwei eng verzahnte Ziele, die parallel verfolgt wurden. Das erste war eine Personalüberprüfung vor Ort: Staatsbedienstete kamen an festgelegte Standorte im ganzen Land, legten ihre Unterlagen vor, bestätigten ihre Daten und wurden als aktive Beschäftigte verifiziert. Diesen Teil verantwortete allein Phillips Consulting mit seinem Netzwerk aus 15 Cluster-Beratern vor Ort. Das zweite Ziel war die digitale Kompetenzbewertung: Alle verifizierten Beschäftigten füllten über die MuchSkills-Plattform eine strukturierte Selbsteinschätzung ihrer Kompetenzen, Zertifizierungen und Entwicklungsziele aus. Beide Stränge mussten gleichzeitig im selben knappen Zeitfenster laufen. Die Kompetenzbewertung wurde also aufgebaut und ausgerollt, während die Personaldaten, auf denen sie beruhte, noch geprüft und korrigiert wurden.
MuchSkills stellte die Plattform für die Kompetenzbewertung und die zentrale Kompetenzarchitektur bereit, also die technische Grundlage, um Daten landesweit strukturiert und vergleichbar zu erheben. Das konkret eingesetzte Framework entstand in enger Zusammenarbeit mit Phillips Consulting und wurde auf die besondere Struktur des Federal Civil Service Nigerias zugeschnitten. Phillips Consulting übernahm die Überprüfung des Personalbestands, die Abstimmung mit den einzelnen Ministerien und den Support für die Nutzerinnen und Nutzer. Sobald die Kompetenzdaten strukturiert in der MuchSkills-Plattform vorlagen, nutzten die Beratungsteams sie gemeinsam mit den Berichtsfunktionen und ministeriumsübergreifenden Analysen von MuchSkills, um Erkenntnisse zu gewinnen und Empfehlungen zu erarbeiten. Kurz gesagt: MuchSkills sorgte für eine strukturierte, vergleichbare Datenerhebung im großen Maßstab; Phillips Consulting und sein Cluster-Netzwerk machten aus dieser Transparenz Analysen, Beratung und politische Handlungsempfehlungen. Wie Skills Intelligence als Grundlage für solche Entscheidungen dient, erfahren Sie im MuchSkills-Leitfaden zu Skills Intelligence.
Arbeiten unter realen Bedingungen
Um dieses Vorhaben umzusetzen, musste unter Bedingungen gearbeitet werden, die sich stark von den meisten Kompetenzinitiativen in der Privatwirtschaft unterscheiden.
Die Personaldaten spiegelten die Komplexität einer großen Institution im Wandel wider: Manche Datensätze waren unvollständig, andere enthielten strukturelle Änderungen, die noch nicht in allen zentralen Systemen angekommen waren. Bei wichtigen Angaben wie Abteilung, Besoldungsgruppe, Laufbahn und Kontaktdaten ließ sich nicht pauschal voraussetzen, dass sie stimmten. Das Programm lief bereits, während sein eigenes strukturelles Fundament noch gefestigt wurde.
Schnell zeigte sich, dass Identität und Zugang das größte operative Hindernis waren. Dienstliche E-Mail-Adressen der Regierung wurden in weiten Teilen der Belegschaft noch gar nicht genutzt: Die Beschäftigten kommunizierten über private Konten und WhatsApp statt über offizielle Kanäle. Darin spiegelte sich der tatsächliche Stand der digitalen Infrastruktur auf nationaler Ebene wider. Zehntausenden Beschäftigten einen verifizierten Zugang zu verschaffen, wurde so zu einem eigenen, zentralen Arbeitspaket.
Um die Authentifizierung ohne flächendeckende E-Mail-Zugänge zu ermöglichen, baute MuchSkills ein eigenes Portal auf: skills.ohcsf.gov.ng. Dort konnten sich die Beschäftigten mit ihrer IPPIS-Nummer (ihrer Personalkennung im Staatsdienst) verifizieren und einen Schritt zur Datenerhebung abschließen, bevor sie mit der Kompetenzbewertung begannen. Das Portal enthielt außerdem Anleitungsvideos, die im Projektverlauf mehr als 44.000 Mal aufgerufen wurden. Sie erwiesen sich als unverzichtbar, um eine breite Teilnahme zu ermöglichen, ohne an jedem Standort persönliche Unterstützung anbieten zu müssen.
Auf offizielle E-Mails allein konnte sich die Kommunikation nicht verlassen. Stattdessen kamen Plakate, regierungsweite Mitteilungen und eine enge Abstimmung mit den Cluster-Beratern zum Einsatz: 15 Fachleute, die jeweils für ein oder mehrere Ministerien zuständig waren, vor Ort mit den Beschäftigten arbeiteten und über WhatsApp-Gruppen mit dem Team von MuchSkills in Kontakt standen, damit sich Probleme schnell lösen ließen. Im gesamten Projektverlauf bearbeitete MuchSkills rund 2.500 bis 3.000 Supportanfragen. Der weitaus größte Teil kam von Staatsbediensteten, die mit Fragen zu Zugang und Bewertung kämpften; daneben unterstützte MuchSkills das Beraternetzwerk durchgehend.
Auch die Plattform selbst musste sich laufend anpassen. Seiten, die bei üblicher Last im Unternehmenseinsatz problemlos liefen, wurden zu langsam, sobald Zehntausende Nutzer gleichzeitig aktiv waren. Bei bestimmten Bildschirmgrößen zeigten sich Sonderfälle. Datenfelder, die eigentlich für die gesamte Belegschaft befüllt sein sollten, waren bei großen Teilen davon unvollständig, was in großen Personalsystemen häufig vorkommt. Jedes Problem wurde binnen Stunden oder Tagen erkannt und behoben; keines machte es nötig, das Programm anzuhalten.
Am Zeitdruck war nicht zu rütteln. Das Programm startete mit einem Abgabetermin zum Jahresende. Konzeption, Konfiguration, Kommunikation und Umsetzung liefen parallel. Annahmen wurden schnell überprüft, Anpassungen in Echtzeit vorgenommen. Diese Einschränkungen galten nicht als Hindernisse, sondern als die Rahmenbedingungen, unter denen das Programm erfolgreich sein musste.
Gestaltungsprinzipien für skalierbare Workforce Intelligence
Vor diesem Hintergrund prägten einige wenige, ganz bewusst getroffene Gestaltungsentscheidungen das Projekt PASGA. Von ihnen hing ab, ob sich Kompetenzen so sichtbar machen ließen, dass das Ergebnis glaubwürdig, skalierbar und als Entscheidungsgrundlage brauchbar war.
Kompetenzfamilien statt Rollen
Eine der folgenreichsten Entscheidungen war der Verzicht auf eine Kompetenzerfassung auf Rollenebene. In einem öffentlichen Dienst dieser Größe hätte eine Kompetenzmatrix auf Rollenebene bedeutet, Tausende unterschiedlicher Rollen in 46 Ministerien zu strukturieren. Das hätte die Einrichtung um Monate verlängert, ohne die Qualität der Erkenntnisse zu verbessern.
Stattdessen konzentrierte sich das Projekt auf Laufbahnen (Cadres): Berufsfamilien, die Rollen mit gemeinsamen Verantwortungsbereichen und Kompetenzerwartungen bündeln. Der Federal Civil Service Nigerias verfügt über ein etabliertes Laufbahnsystem (Scheme of Service), das diese Laufbahnen definiert, von Fahrern und Verwaltungsbediensteten bis hin zu Ingenieuren und Fachleuten für Grundsatzfragen. Indem das Projekt mit dieser Struktur arbeitete statt gegen sie, konnte es Kompetenzen auf einer für die Analyse aussagekräftigen Ebene erfassen und blieb dennoch auf nationaler Ebene handhabbar. Die Erfassung auf Laufbahnebene ermöglichte ministeriumsübergreifende Vergleiche, die eine Erfassung auf Rollenebene nie hätte leisten können.
Muster statt Perfektion
Ebenso entscheidend war, Mustererkennung über Präzision im Einzelfall zu stellen. Bei dieser Größenordnung liegt der Wert von Kompetenzdaten darin, Verteilungen, Stärken und Lücken über Gruppen hinweg zu verstehen, und nicht darin, jede einzelne Person perfekt genau abzubilden.
Eine Validierung durch Führungskräfte wurde geprüft und verworfen. In einer großen, hierarchischen Organisation birgt eine verpflichtende Freigabe der Kompetenzbewertungen durch Vorgesetzte das Risiko von Engpässen, Inkonsistenzen und Zurückhaltung bei den Beschäftigten. Am Ende verlangsamt das die Umsetzung und senkt die Beteiligung. Stattdessen setzte das Programm auf die Selbsteinschätzung der Beschäftigten anhand einer Kompetenzskala von 1 bis 9 (Einsteiger, Fortgeschrittene oder Experten), unterstützt durch Gestaltungsmerkmale, die ehrliche Angaben zum Weg des geringsten Widerstands machten.
Eines davon betraf die Frage, was die Beschäftigten voneinander sehen. Sie konnten einsehen, wie sich Kolleginnen und Kollegen eingeschätzt hatten, doch MuchSkills zeigte bewusst zuerst Profile auf Einsteiger- und Fortgeschrittenenniveau. Wer sah, dass sich Kolleginnen und Kollegen auf ähnlicher Ebene eher im mittleren Bereich einstuften, traute sich eher, realistische Angaben zu machen, statt sich besser darzustellen. So entstand eine Beteiligung, die breit war und, nach den erkennbaren Mustern zu urteilen, auch glaubwürdig.
Die richtige Messebene
Die Entscheidung, was gemessen wird und auf welcher Ebene, erwies sich als ebenso wichtig wie die Frage, wie gemessen wird. Das Projekt PASGA erfasste Kompetenzen entlang dreier Dimensionen: Besoldungsgruppe bzw. Besoldungsstufe, Abteilung und Laufbahn.
Die Besoldungsgruppen gaben Aufschluss über die kulturelle und verhaltensbezogene Reife in der gesamten Organisation, denn mit höherer Seniorität werden bestimmte Führungs- und bereichsübergreifende Kompetenzen erwartet. Anhand der Abteilungen ließen sich die operativen Fähigkeiten einschätzen, Stärken und Schwächen erkennen und der künftige Kompetenzbedarf in einzelnen Fachbereichen sichtbar machen. Die Laufbahnen ermöglichten Vergleiche zwischen Gruppen verwandter Rollen, ohne alles in zu allgemeine Kategorien zu pressen.
Diese dreidimensionale Struktur erlaubte es, die Daten auf vielfältige Weise auszuwerten, während sie systemweit stimmig und vergleichbar blieben. Zugleich machte sie die Bewertung für die Beschäftigten intuitiv, was sich positiv auf die Teilnahmequoten auswirkte.
Erst standardisieren, dann anpassen
Bevor es ministeriumsspezifische Abweichungen gab, wurde für alle 46 Ministerien eine gemeinsame Basistaxonomie festgelegt. Sie deckte Soft Skills, kulturelle und verhaltensbezogene Kompetenzen sowie zentrale fachliche Bereiche ab, die ministeriumsübergreifend relevant sind.
Ohne diese Grundlage wären aussagekräftige Vergleiche unmöglich gewesen. Werden Kompetenzdaten aus 46 verschiedenen Ministerien zusammengeführt und in Berichten ausgewertet, muss jede Kompetenzbezeichnung überall dasselbe bedeuten, ganz gleich, woher sie stammt. Deshalb stand die Standardisierung an erster Stelle. Angepasst wurde nur dort, wo es einen analytischen Mehrwert brachte, und nicht dort, wo es das gemeinsame Verständnis aufgesplittert hätte.
Gestaltung für Vertrauen und Beteiligung
Das Projekt setzte darauf, zur Teilnahme zu motivieren, statt sie zu erzwingen. Klare Anleitungen, schlanke Abläufe, eine für Mobilgeräte optimierte Plattform und die oben beschriebene Sichtbarkeit unter Kolleginnen und Kollegen senkten die Hürden bei der Bewertung. Wer alle Projektphasen abschloss, erhielt zudem ein Zertifikat, und diese Anerkennung förderte das Engagement zusätzlich. Mit der Verwaltung von Mitarbeiterzertifikaten in MuchSkills ließen sich die Abschlüsse auch in großer Zahl erfassen und prüfen.
Während des gesamten Projekts taten die Beschäftigten mehr, als von ihnen verlangt wurde. Sie bauten ihre Profile aus, setzten sich Entwicklungsziele und probierten Funktionen der Plattform aus, auf die sie nie hingewiesen worden waren. In einem nationalen öffentlichen Dienst ist so viel freiwilliges Engagement ungewöhnlich. Darin zeigt sich, was Gestaltungsentscheidungen in der Summe bewirken, wenn Kompetenztransparenz als etwas verstanden wird, an dem sich die Mitwirkung lohnt, und nicht als Verwaltungspflicht. Wie MuchSkills Kompetenzarchitektur und Taxonomie gestaltet, lesen Sie in der MuchSkills Methodik.
Was eine nationale Kompetenzmatrix in großem Maßstab ermöglicht
Die wichtigste Veränderung am Ende des Projekts PASGA war keine einzelne Kennzahl und kein einzelner Bericht, sondern ein Wandel in der Transparenz.
Erstmals ließen sich die Kompetenzen im Federal Civil Service Nigerias anhand einer einheitlichen, ministeriumsübergreifenden Kompetenzmatrix betrachten, die Ministerien, Abteilungen, Besoldungsstufen und Laufbahnen umfasst. Der Umfang der Beteiligung zeigte, dass eine breite Mitwirkung an der Kompetenzerfassung möglich ist, selbst in komplexen Organisationen des öffentlichen Sektors unter realen Bedingungen.
Fast 55.000 Beschäftigte lieferten Kompetenzdaten. Im Schnitt erfasste jede teilnehmende Person mehr als 70 Kompetenzen, ein klares Zeichen für echtes Engagement und nicht für bloße Pflichterfüllung. Zertifizierungen, die bis dahin über Dokumente und einzelne Personalakten verstreut waren, wurden in einem einzigen System erfasst. Tausende Beschäftigte, die nie zuvor gebeten worden waren, sich strukturiert mit ihrer eigenen Entwicklung zu befassen, legten Entwicklungsziele fest.
Auf Organisationsebene verfügt nun jedes Ministerium über ein Kompetenzprofil nach Abteilungen, Besoldungsstufen und Laufbahnen, das regierungsweite Vergleiche ermöglicht. Relative Stärken, unterentwickelte Bereiche und Ungleichgewichte, die bisher unsichtbar waren, sind jetzt sichtbar.
Da sich jedes Ministerium als eigene Organisation bei MuchSkills angemeldet hatte, waren ministeriumsübergreifende Vergleiche direkt in der Plattform nicht möglich. Um sie zu ermöglichen, baute MuchSkills für das OHCSF eine eigene Analyseumgebung auf Basis der Plattform auf. Sie führt die Kompetenzdaten aller 46 Ministerien in einer einzigen Oberfläche zusammen, in der Analysten Profilvervollständigungsraten, Nutzungsmuster von Kompetenzen und Verteilungen der Kompetenzniveaus sowohl auf nationaler als auch auf Ministeriumsebene untersuchen können, ohne die zugrunde liegende Plattform direkt abfragen zu müssen.
Ein zentrales Merkmal dieser Umgebung ist die kalibrierte Bewertung. Da das Projekt PASGA auf Selbsteinschätzungen einer Belegschaft beruhte, die noch nie eine strukturierte Kompetenzerfassung durchlaufen hatte, mussten die Rohwerte relativ zu einer Vergleichsbasis der Gesamtgruppe interpretiert werden statt absolut. Die Analyseebene wendet einen Kalibrierungsfaktor an, der aus dem beobachteten Durchschnitt des gesamten Datensatzes abgeleitet ist. So werden die Werte auf einen einheitlichen Mittelpunkt justiert, und ministeriumsübergreifende Vergleiche bleiben aussagekräftig, auch wenn sich die Bewertungstendenzen zwischen den Ministerien unterscheiden.
Das Framework bildet außerdem die Kompetenzstruktur des OHCSF mit ihren sechs Säulen ab: Kernkompetenzen des öffentlichen Dienstes, digitale und Datenkompetenzen, Führung, Projekt- und Change-Management, Leistungserbringung sowie Innovation. Für jedes Ministerium entsteht ein Belegschaftsprofil über alle sechs Säulen.
Damit lässt sich nicht nur klären, welche Kompetenzen im öffentlichen Dienst insgesamt vorhanden sind, sondern auch, wo einzelne Ministerien stark sind, wo sie hinter den Benchmarks der Säulen zurückbleiben und welche Kompetenzen am wenigsten verbreitet sind und Investitionen in die Entwicklung am dringendsten brauchen. Die strukturierten Ministeriumsauswertungen, die in dieser Umgebung entstehen, bilden die analytische Grundlage für die Empfehlungen von Phillips Consulting an das OHCSF.
Vor Ort zeigt die Arbeit bereits Wirkung. Ein Cluster-Berater, der ein Bundesministerium betreut, schildert, wie die Daten direkt zum Einsatz kommen: „Wir haben die Lücken für jede Abteilung ausgewertet und damit in Schulungen vermittelt, wie man Trainings, Entwicklungsangebote und Systeme aufbaut, mit denen sich die Lücken schließen lassen. Dank MuchSkills hat es richtig Spaß gemacht, die Materialien zu erstellen.“
Eine Erkenntnis bestätigen die Daten bereits: Die Fähigkeiten im öffentlichen Dienst sind größer, als die Führungsebene angenommen hatte. Es gibt erhebliche Kompetenzen und Talente, die schlicht nie sichtbar gemacht wurden, weder für die Organisation noch für die Beschäftigten selbst. Das ist keine Überraschung, die nur den Staat betrifft. MuchSkills beobachtet dieses Muster immer wieder in großen Organisationen. Das Problem ist selten, dass Fähigkeiten fehlen. Das Problem ist, dass sie unbekannt sind und deshalb ungenutzt bleiben.
Erkenntnisse für große und stark regulierte Organisationen
„Wir sehen immer wieder: Organisationen fehlt es nicht an Ehrgeiz beim Thema Kompetenzen. Was ihnen fehlt, ist ein Weg, Kompetenzen unter realen Bedingungen sichtbar zu machen. In großem Maßstab besteht die Herausforderung nicht darin, mehr Daten zu sammeln, sondern zu entscheiden, was gemessen wird, damit es tatsächlich verglichen und genutzt werden kann.“ (Daniel Nilsson, CEO, MuchSkills)
Das Projekt PASGA fand zwar in einem nationalen öffentlichen Dienst statt, doch seine Lehren gelten weit über den Staat hinaus. Große Unternehmen, Beratungshäuser und Branchen, in denen die Kompetenzen der Belegschaft Audits und Compliance-Vorgaben unterliegen, kämpfen mit vielen derselben strukturellen Herausforderungen. Die folgenden Prinzipien gelten überall, wo große Organisationen nicht länger von vermuteten Fähigkeiten ausgehen, sondern auf belastbare Erkenntnisse bauen wollen.
- Kompetenztransparenz ist machbar, auch in komplexen Umgebungen: Größe, zersplitterte Daten und unvollkommene Governance-Strukturen sind kein Grund, abzuwarten. Genau unter diesen Bedingungen muss eine Kompetenzerfassung funktionieren. Wer auf saubere Daten oder perfekt abgestimmte Systeme wartet, kommt nicht voran, ohne dass die Ergebnisse dadurch besser würden. Eine strukturierte Analyse der Kompetenzlücken ist oft der richtige Einstieg für Organisationen, die erst verstehen wollen, womit sie es zu tun haben, bevor sie sich auf ein umfassendes Programm festlegen.
- Wie Sie das System gestalten, zählt mehr als die Frage, welches System Sie wählen: Organisationen, die sich mit Kompetenzinitiativen schwertun, wollen oft zu genau, zu detailliert oder zu umfassend vorgehen. Im großen Maßstab erzeugt das Reibung und drückt die Beteiligung. Wer sich auf Kompetenzfamilien statt auf einzelne Rollen und auf Muster statt auf Genauigkeit im Einzelfall konzentriert, gewinnt weit besser nutzbare Erkenntnisse.
- Vertrauen und Engagement sind strukturelle Voraussetzungen, keine weichen Faktoren: Wie Kompetenzdaten erhoben werden, wirkt sich direkt auf Beteiligung und Datenqualität aus. Wenn Beschäftigte den Zweck verstehen, ohne Bedenken Angaben machen können und den Prozess als transparent und angemessen erleben, beteiligen sie sich auch. Schwerfällige Validierungsverfahren können genau die Daten beschädigen, die sie eigentlich absichern sollen.
- Kompetenztransparenz als Infrastruktur begreifen, nicht als einmalige Initiative: Der Nutzen entsteht nicht durch einen einzelnen Bericht, sondern durch eine gemeinsame, vergleichbare Basis, auf die man immer wieder zurückgreifen, die man verfeinern und auf der man aufbauen kann. Nur so können Kompetenzdaten auf Dauer Besetzungsentscheidungen, Entwicklungsplanung und eine langfristige strategische Personalplanung stützen. Für Organisationen in der EU kommt noch etwas hinzu: Nach den Vorgaben des ESRS S1 im Rahmen der CSRD müssen große Unternehmen strukturierte Daten zu Weiterbildung und Kompetenzentwicklung ihrer Belegschaft berichten. Eine gut durchdachte Kompetenzinfrastruktur beantwortet also nicht nur strategische Fragen, sondern liefert auch die prüfungssicheren Daten, die Compliance-Vorgaben immer häufiger verlangen.
Was das Projekt PASGA so komplex machte, waren strukturelle Bedingungen: zersplitterte Personaldaten, eine Governance, die sich von Bereich zu Bereich unterschied, Beschäftigte ohne einheitlichen digitalen Zugang und der Druck, in einem festen Zeitrahmen Erkenntnisse für die Führungsebene zu liefern. Das alles gibt es nicht nur im Staat, sondern in jedem großen Unternehmen, das Skills Intelligence im großen Maßstab einführen will. Die Namen sind andere. Die Probleme sind dieselben.
Einsatzbereitschaft und Wiederholbarkeit
„Bei Kompetenztransparenz geht es nicht darum, Komplexität zu beseitigen, sondern darum, Systeme zu gestalten, die mit ihr umgehen können. Wenn das gelingt, ist Größe kein Hindernis mehr, sondern eine Quelle von Erkenntnissen.“ (Daniel Nilsson, CEO, MuchSkills)
Wenn große Organisationen über eine Kompetenzinitiative nachdenken, steht selten infrage, ob sich das Vorhaben lohnt. Entscheidend ist, ob es sich unter realen Bedingungen tatsächlich umsetzen lässt: mit lückenhaften Daten, verteilter Governance und einer Belegschaft, von der so etwas noch nie verlangt wurde. Das Projekt PASGA ist der Beleg dafür, dass es geht.
Die Arbeit in einem nationalen öffentlichen Dienst, die ständige Anpassung an sich verändernde Bedingungen, Gestaltungs- und Umsetzungsentscheidungen unter Druck und die Unterstützung Zehntausender gleichzeitiger Nutzer haben deutlich gemacht, was es wirklich braucht, wenn sich Komplexität nicht wegvereinfachen lässt. Die Kunst liegt darin zu wissen, was einheitlich bleiben muss, etwa gemeinsame Definitionen und die Taxonomie, und wo Flexibilität unverzichtbar ist, etwa bei Kommunikationskanälen, der Anpassung der Plattform und den Supportstrukturen vor Ort.
Mit Blick auf die eigene Leistungsfähigkeit hat das Projekt PASGA gezeigt, dass sich solche Vorhaben wiederholen lassen. Nicht, weil künftige Ausgangslagen gleich aussehen werden, sondern weil sich die Gestaltungsprinzipien, Abläufe und Umsetzungsmuster hinter dem Projekt unter extremen Bedingungen in der Praxis bewährt haben. Diese Muster lassen sich überall dort anwenden, wo große Organisationen nicht länger von vermuteten Fähigkeiten ausgehen, sondern auf faktenbasierte Workforce Intelligence setzen wollen. Dass MuchSkills in der Everest Group PEAK Matrix® for Skills Management Platforms als Major Contender eingestuft wurde, spricht für dieselbe Reife: eine unabhängig bewertete Plattform, die im Maßstab großer Unternehmen und Institutionen funktioniert.
Das Projekt PASGA hat den Personaldatenbestand von MuchSkills zudem erheblich erweitert. Er umfasst inzwischen Kompetenzprofile von über 100.000 Fachkräften weltweit und bildet eine Datengrundlage, die mit jedem Einsatz wertvoller wird.
Kompetenztransparenz ist kein Endzustand, sondern ein Fundament. Sobald dieses Fundament steht, können Organisationen darauf aufbauen: Stellen besser besetzen, Mitarbeitende gezielter entwickeln und auf Basis von Fakten statt Vermutungen planen. Das Projekt PASGA hat gezeigt, dass sich dieses Fundament schaffen lässt, selbst auf nationaler Ebene und selbst unter realen Bedingungen. Diese Erfahrung prägt, wie MuchSkills künftig an große, verteilte Organisationen herangeht.
Häufig gestellte Fragen
Keine Antwort gefunden? Ein echter Mensch antwortet Ihnen, meist noch am selben Werktag.
Alle Fragen in den FAQWas ist eine Kompetenzmatrix auf nationaler Ebene und wie unterscheidet sie sich von einer herkömmlichen Kompetenzmatrix?
Eine Kompetenzmatrix auf nationaler Ebene folgt denselben Prinzipien wie eine Kompetenzmatrix in einer Organisation: Sie bildet ab, was Beschäftigte wissen und können, und zwar anhand eines einheitlichen Rahmens. Sie erstreckt sich jedoch auf eine weitaus größere und strukturell komplexere Belegschaft. Beim Projekt PASGA bedeutete das, vergleichbare Kompetenzdaten für 46 Ministerien und fast 55.000 Beschäftigte zu schaffen, mit einer gemeinsamen Taxonomie, die ministeriumsübergreifende Analysen statt isolierter Betrachtungen einzelner Ministerien ermöglichte.
Wie sichert man die Datenqualität bei einer Kompetenzerfassung per Selbsteinschätzung in großem Maßstab?
Die Datenqualität in groß angelegten Selbsteinschätzungsprogrammen entsteht durch Gestaltung, nicht durch Validierung. Beim Projekt PASGA gehörte dazu eine Funktion, die unter Kolleginnen und Kollegen zuerst Profile auf Einsteiger- und Fortgeschrittenenniveau anzeigte, sodass sich eine ehrliche Selbsteinschätzung sicher statt riskant anfühlte. Das Ziel ist nicht Perfektion im Einzelfall, sondern Glaubwürdigkeit auf Ebene der Muster: Daten, die über eine große Gruppe hinweg konsistent genug sind, um strategische Entscheidungen zu stützen, auch wenn es einzelne Ausreißer gibt.
Funktioniert eine Kompetenzerfassung auch in Organisationen mit fragmentierten oder unvollständigen Personaldaten?
Ja, allerdings erfordert das einen anderen Ansatz als herkömmliche Implementierungen in Unternehmen. Beim Projekt PASGA liefen Personalüberprüfung und Kompetenzerfassung parallel statt nacheinander, denn auf saubere Daten zu warten, wäre mit dem Zeitrahmen nicht vereinbar gewesen. Eine Kompetenzerfassung muss so gestaltet sein, dass sie mit der tatsächlichen Datenlage einer Organisation funktioniert, nicht mit der, die sie sich wünscht.
Welche Entscheidungen erlaubt eine Kompetenzmatrix für ein ganzes Land oder eine sehr große Organisation?
Mit einer strukturierten Kompetenzbasis können Organisationen Kompetenzlücken über Funktionen, Besoldungsstufen oder Standorte hinweg erkennen, Kompetenzniveaus zwischen Teams oder Einheiten vergleichen, Investitionen in die Personalentwicklung priorisieren und belastbare Entscheidungen zum Personaleinsatz treffen. Für den Federal Civil Service Nigerias lassen sich die Fähigkeiten aller 46 Ministerien jetzt anhand eines gemeinsamen Rahmens untersuchen. So wird sichtbar, wo sie stark ausgeprägt sind, wo sie unterentwickelt sind und wo Investitionen am dringendsten gebraucht werden.
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Wer genauer wissen möchte, welche Entscheidungen und Abwägungen hinter dem Projekt PASGA standen, findet hier die ausführliche Einordnung aus Sicht der Geschäftsführung: CEO-Interview: Die Kompetenzen von fast 55.000 Staatsbediensteten erfassen
Kompetenzen im Blick, in jeder Größenordnung
Vom einzelnen Team bis zum gesamten öffentlichen Dienst eines Landes: Sehen Sie, was MuchSkills über Ihre Organisation verrät.