Flexibilität, Vielfalt und kontinuierliches Feedback: Wie Millennials die Arbeitswelt verändern

Ihnen wird schon nachgesagt, die Branchen für Kreditkarten, Printmedien, Türklingeln, Mayonnaise und Frühstücksflocken auf dem Gewissen zu haben (und gleich auch noch die Scheidung)*. Und wer sich ansieht, wie sie über Arbeitskultur denken, kann getrost sagen: Millennials sind auf dem besten Weg, auch den Arbeitsplatz, wie ältere Generationen ihn kennen, zu „killen“.
Millennials ( die Jahrgänge 1981 bis 1996) treiben den Wandel am Arbeitsplatz voran, seit sie vor rund 20 Jahren ins Berufsleben eingestiegen sind. Schon als Berufseinsteiger setzten sie Unternehmen unter Druck: Wer Talente halten wollte, musste seine Arbeitsweise überdenken. Heute rücken Millennials in Führungspositionen auf (im Jahr 2019 wurden die ältesten von ihnen 38 Jahre alt), und der zaghafte Wandel verfestigt sich: Sie unterstützen Regelungen, die in einem von früheren Generationen geführten Unternehmen undenkbar gewesen wären.
Angesagt sind: Remote-Arbeit, Lernen am Arbeitsplatz, Möglichkeiten zur Umschulung, qualifizierte Freelancer, die Kompetenzlücken schließen, flexible Teams, kontinuierliches Feedback, Transparenz und Zusammenarbeit. Auf dem Rückzug sind dagegen unter anderem der klassische 9-to-5-Büroalltag und jährliche Leistungsbeurteilungen (die Millennials bekanntermaßen besonders wenig schätzen, weil sie regelmäßiges, kontinuierliches Feedback von ihren Führungskräften bevorzugen).
Bis 2025 werden Millennials einen Großteil der Beschäftigten weltweit stellen. Und da bereits 48 % der jüngeren Führungskräfte auf Director-Ebene oder höher tätig sind, kommt der Wandel, ob die alte Garde will oder nicht.
Hier sind die vier wichtigsten Bereiche, in denen Millennials den klassischen Arbeitsplatz verändern, und zwar zum Besseren.
1. Flexibles Arbeiten:
Remote-Arbeit, flexible Arbeitszeiten und Sabbaticals, die Millennials eine ausgewogene Work-Life-Balance ermöglichen: Diese Veränderungen haben Millennials (und die Technologie) an den Arbeitsplatz gebracht. Laut einem Bericht der SHRM ziehen Millennials eine Stelle oft gar nicht erst in Betracht, wenn sie keine Möglichkeit zur Remote-Arbeit bietet. Unternehmen müssten also auf Flexibilität setzen, wenn sie junge Talente halten wollen. Genau hier geraten Millennials jedoch mit Kolleginnen und Kollegen älterer Generationen aneinander, so der Bericht. Vielleicht erklärt das, warum laut einer Upwork-Studie 57 % der Unternehmen keine Homeoffice-Regelung haben, obwohl Remote-Arbeit allmählich zur Normalität wird. Höchste Zeit, aufzuwachen, finden wir.
Auch für Freelancer verändert sich die Arbeitswelt. Standen sie früher eher weit unten auf der Prioritätenliste, prognostiziert Upwork nun, dass Freelancer, Zeitarbeitskräfte und Agenturmitarbeitende bis 2028 einen um 24 % größeren Anteil an der Belegschaft der Abteilungen ausmachen werden als heute. Der Grund: Millennials, die dann in der Position sein werden, solche Entscheidungen zu treffen, sehen diese Arbeitskräfte positiv.
2. Laufende, ehrliche Kommunikation und Feedback:
Manche behaupten, Millennials seien die meinungsstärkste Generation. Das mag stimmen, schließlich sind sie im Zeitalter von Social Media aufgewachsen. Textnachrichten, Tweets, Videoanrufe: Diese Generation kommuniziert in Echtzeit. Entsprechend können Millennials auch nicht 12 Monate auf Feedback warten; sie wollen es sofort. Unternehmen müssen ein 360-Grad-Feedbacksystem einführen, wenn sie Millennials gewinnen und halten wollen, empfiehlt ein Bericht von KPMG.
Offenbar steigert regelmäßiges Feedback tatsächlich das Engagement von Millennials und führt zudem zu besseren Leistungen. Laut einer Gallup-Umfrage aus dem Jahr 2016 waren Millennials die am wenigsten engagierte Generation am Arbeitsplatz: Nur 29 % von ihnen waren bei der Arbeit engagiert, gegenüber 33 % der Babyboomer und 32 % der Generation X. Ihr Engagement steigt jedoch, wenn ihre Führungskraft regelmäßig Gespräche mit ihnen führt. Von den engagierten Millennials gaben 44 % an, dass ihre Führungskraft regelmäßige Meetings mit ihnen abhält, 20 % verneinten dies. Die Umfrage schätzte, dass die Fluktuation von Millennials aufgrund mangelnden Engagements die US-Wirtschaft jährlich 30,5 Milliarden US-Dollar kostet.
3. Lernangebote und Reverse Mentoring:
Millennials schätzen Führungskräfte, die sie coachen und ihnen helfen, ihre Stärken auszubauen.
28 % der Millennials und 27 % der Generation Z planen, ihr Unternehmen zu verlassen, weil sie mit den Entwicklungsmöglichkeiten unzufrieden sind. Das ergab die Ausgabe 2019 des Deloitte Global Millennial Survey. Daraus lässt sich schließen, dass Unternehmen, die ihre Millennial-Mitarbeitenden in der Personalentwicklung unterstützen, diese eher halten können.
Millennials sind außerdem für Reverse Mentoring bekannt: Sie helfen älteren Beschäftigten (Babyboomern und Generation X), ihre Kompetenzen zu erweitern, damit diese mit den Veränderungen in der globalen Arbeitswelt Schritt halten können. Reverse Mentoring bietet zahlreiche Vorteile: Es hilft Unternehmen, Millennials zu halten; es schafft Vertrauen zwischen den Generationen, was dem Unternehmen langfristig immer zugutekommt; und es ermöglicht jeder Generation, von den Stärken der anderen zu lernen.
4. Mehr Vielfalt:
Das Netzwerk für professionelle Dienstleistungen Deloitte hat in einer Reihe von Studien untersucht, „was Millennials wollen“, und dabei ist ein Punkt immer wieder hervorgestochen: Millennials sind der Meinung, dass der geschäftliche Erfolg eines Unternehmens nicht allein an der finanziellen Performance gemessen werden sollte. Zu den weiteren Faktoren zählen ein positiver Beitrag für Gesellschaft und Umwelt, ein offenes Ohr für die Bedürfnisse der Mitarbeitenden sowie Flexibilität und Vielfalt am Arbeitsplatz.
Für Millennials ist Vielfalt ein Begriff, der ethnische Herkunft, Geschlecht und sexuelle Orientierung ebenso umfasst wie unterschiedliche Perspektiven.
Vielfalt scheint Loyalität zu fördern: Laut einer Studie von Deloitte nennen Millennials sie zwar nicht als oberste Priorität, doch 69 % der Millennials, deren Arbeitgeber als vielfältig wahrgenommen wird, möchten eher fünf Jahre oder länger bleiben als diejenigen, die ihr Unternehmen nicht als vielfältig beschreiben. Der Studie zufolge sehen Millennials in Vielfalt etwas, das den geschäftlichen Erfolg und die berufliche Leistung steigern kann, sind sich aber bewusst, dass das Topmanagement dazu oft nur Lippenbekenntnisse abgibt.
„Millennials werden die Welt entscheidend stärker verändern als jede andere Generation“, schrieb Jim Clifton, Chairman und CEO von Gallup, in der Einleitung zum Bericht How Millennials Want to Work and Live aus dem Jahr 2016. „Millennials verändern den Willen der Welt selbst. Also müssen auch wir uns verändern.“
Unternehmen, die Talente gewinnen und halten wollen, tun gut daran, seine Worte zu beherzigen.
* Es gibt allerdings auch eine andere Sichtweise: Nicht die Millennials haben die Wirtschaft ruiniert, sondern die Wirtschaft die Millennials.
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